Wie wir leben

Sie werdens nicht glauben - auch der Tagesablauf eines Franziskaners beginnt mit dem Aufstehen. Das haben wir alle gemeinsam, dann wirds schon schwieriger, weil sich der Tagsablauf nach der Tätigkeit einer Gemeinschaft bzw. des Einzelnen richtet.

Tagesablauf

Laudes (Morgengebet)
Heilige Messe
Frühstück
Arbeit und Aufgaben am Vormittag
Sext (Mittagesgebet)
Mittagessen im Refektorium (Speiseraum im Kloster)
Arbeit und Aufgaben am Nachmittag
Vesper (Abendgebet)
Rekreation

Für gewöhnlich steht am Tagesbeginn das (gemeinsame) Gebet: Messe und Chorgebet/Brevier (Meditation). Wir beten auch das Brevier (die Psalmen) gemeinsam, allerdings hat das feierliche Chorgebet nicht den Stellenwert wie etwa bei den Benediktinern oder Zisterziensern. Dennoch legen wir Wert auch auf das gemeinsame Breviergebet am Morgen, zu Mittag und Abend.

Nach dem Frühstück teilen sich dann die Wege je nach Aufgaben:

  • in der Gemeinschaft: Pförtner, Koch,  Sakristan, Organist, Gärtner, Schneider..., in der Bibliothek, im Archiv
  • in der Pfarrtätigkeit (seelsorgliche Aktivitäten als Pfarrer oder Kaplan (Kooperator),  Pfarrkanzlei)
  • im Schulwesen (Universität; Gymnasien; vor allem Religionsunterricht in den verschiedenen Schultypen...)
  • „Außerordentliche Seelsorge“: Arbeit mit Gruppen wie z.B. Franziskanische Gemeinschaft, Jugendgruppen, Gebetskreise;  Organisieren von religiösen Veranstaltungen, Meditationen, Besinnungstagen und Festen; Wallfahrten, Pilgerwege, Assisifahrten - und wanderungen
  • Spezielle Bereiche: z. B.  für das Hl. Land (Sekretariat für hl. Landfahrten mit den Franziskanern) oder  für „FranzHilf“ (Hilfswerk für Menschen in Not)

Die Bandbreite der Betätigungsfelder ist sehr groß, sie kann sich je nach Situation und Ort ändern. Herkömmliche Aufgaben können wegfallen, an ihre Stelle treten neue.

Da die Gemeinschaft ein wesentliches Element darstellt, soll die Kommunikation besonders gepflegt werden. Das geschieht u. a. bei den gemeinsamen Mahlzeiten. Diesem Anliegen dienen die sog. „Rekreationen“ (vom lat. re-creare = wieder beleben), die meist zweimal in der Woche am Abend stattfinden: Dabei handelt es sich um ein formloses Zusammenkommen der Brüder, bei dem es etwas zu essen und zu trinken gibt, der Hauptzweck ist aber die Kommunikation.

Um sowohl geistliche wie auch organisatorische Dingen ins Gespräch zu bringen, finden auch regelmäßig sog. „Hauskapitel“ statt, bei denen die Brüder zusammenkommen, um eben gemeinsam zu bedenken und zu besprechen.

Franziskanisches Symbol - HabitOrdenskleidung. Als Franziskaner tragen wir einen Habit mit Kapuze und Zingulum, d.i. unser Ordenskleid.

Charakteristisch für die franziskanisch geprägten Gemeinschaften ist der Strick (Zingulum) - im Gegensatz etwa zu einem ledernen Gürtel - mit den drei Knoten, die unsere Gelübde symbolisieren: Armut, Keuschheit und Gehorsam.

Im Unterschied zu den alten monastischen Orden (Benediktiner, Zisterzienser...) dürfen nicht nur die Brüder, sondern auch die Gemeinschaft als ganze keine Besitzungen haben. Das Tragen des Ordenskleides ist nicht strikt vorgeschrieben, ist natürlich erwünscht, wo es angemessen ist, und ist in diesem Sinne gewiss auch ein Zeichen unserer Identität als Franziskaner.

Der Obere („Chef“) einer Gemeinschaft heißt bei uns Guardian (vom ital „guardare“ - bewachen, behüten), nicht wie in den Stiften Abt oder Prior. Im Gegensatz zu diesen wird ein Guardian nur auf drei Jahre bestellt, kann nochmals bestellt werden, muss aber dann für drei Jahre aussetzen. Franziskus wollte damit jeder Ansammlung von „Macht“ Vorschub leisten, es war ihm das große Anliegen, dass alle wirklich Brüder sind.

So endet ein Tag nicht so einheitlich, wie er (meist) begonnen hat. Abgesehen von den oben erwähnten Vorgegebenheiten bzw. Verpflichtungen kann jeder den Abend auf seine Weise gestalten, aber er endet schließlich auch im Schlafen gehen.