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Nur mit Scotus "überlebt"

 

An der Päpstlichen Universität des Franziskaner-Ordens in Rom, dem Antonianum, ist die diesjährige Studientagung zu Ehren des seligen Johannes Duns Scotus (1266-1308) zu Ende gegangen. Generalminister Massimo Fusarelli appellierte in seinem Abschlusswort dafür, die Methode des mittelalterlichen Franziskaner-Philosophen für die großen Fragen unserer Zeit zu nutzen. Zuvor wurde im international besetzten Auditorium eine Grußbotschaft des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner eingespielt.

 

"Ohne Hilfe aus dem scotistischen Denken hätte ich die 18 Jahre meines bischöflichen Dienstes intellektuell nicht überstanden", meinte Erzbischof Franz, der wegen der zeitgleich in Wien tagenden Bischofskonferenz nicht persönlich nach Rom reisen konnte. Mit Verweis auf die unter mittelalterlichen Philosophen übliche Erkenntnistheorie erläuterte Lackner den Dreischritt, um "komplexe und spezifische Probleme" zu bearbeiten: Er habe sich angewöhnt, bei jeder Fragestellung, nach dem Ursprung, der Angemessenheit und dem idealtypischen Ziel zu fragen. "Im theologischen Denken sind wir gewohnt, 'Ja' oder 'Nein' zu sagen, so als ob es dazwischen nichts gäbe. Aber tatsächlich gibt es dazwischen sehr viel. Dazwischen ist der Raum der ganzen Existenz, des Inter-esse", sagte der Erzbischof. Franz Lackner ist 1983 in den Franziskanerorden eingetreten und wurde 1991 in Graz zum Priester geweiht. Er hat am Antonianum über Duns Scotus promoviert und lehrte ebendort Metaphysik. 1999 kehrte er nach Österreich zurück, wurde 2002 Weihbischof der Diözese Graz-Seckau und ist seit 2014 Erzbischof in Salzburg. 

 

Der Einzelne unter Brüdern

Generalminister Fusarelli verwies in seinem Statement auf die Enzyklika "Fratelli Tutti", und der darin enthaltenen Forderung nach "universaler Geschwisterlichkeit". Der "Frater", das Bruder-Sein werde nach Willen des Papstes zum Beispiel "sozialer Freundschaft". Das bedeute, dass jeder bei sich selbst anfangen müsse, führte Fusarelli. Die von Scotus in das Denken eingeführte "Haecceitas" - das So-Sein - helfe dabei, die Wirklichkeit besser zu erfassen. Im Gegensatz zu anderen Denkern seiner Zeit formuliere Scotus eine Vorrangstellung des Individuum vor der Gattung. Was der Wirklichkeit insgesamt näher komme.

 

 

Die gesamte Tagung wird in den kommenden Tagen auf dem YouTube-Kanal der Päpstlichen Universität Antonianum veröffentlicht werden. Im Bild: Ausschnitt aus dem Grußwort von Erzbischof Franz Lackner an die Teilnehmer der Scotus-Tagung in Rom.

 

(9-11-2021 / mtz)