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Weihnachten ist so erfrischend unkompliziert – Gott wird Mensch

Interview mit Provinzial P. Oliver Ruggenthaler ofm

Wir feiern jedes Jahr Weihnachten, besteht da nicht die Gefahr, dass dieses Fest zu sehr zur Gewohnheit wird?

Der christliche Glaube lebt von der bleibenden Erinnerung an das Zugehen Gottes auf den Menschen; das geschieht in der wieder kehrnden Feier des kirchlichen Jahrskreise. Wir brauchen also diese „gute Gewohnheit“

Greccio

Greccio - Hier feierte Franziskus 1223 Weihnachten


Der hl. Franz von Assisi hat 1223 in Greccio „das Geheimnis der Weihnacht“ wieder lebendig gemacht. Ist dies heute auch notwendig?

Die Menschen von heute sind wohl kaum besser oder schlechter als jene in der Zeit des heiligen Franziskus, vielleicht etwas gestresster und abgelenkter. Von daher ist und bleibt es Aufgabe von uns allen, die wunderbaren Geheimnisse Gottes, sein Mit- und Dasein, im jetzt und heute lebendig zu halten.

Auf Kinder wirkt Weihnachten wie ein Zauber. Ist dieser Zauber auch bei erwachsenen Menschen zu spüren?

Bei mir persönlich auf jeden Fall! In der Tiefe des Herzens sehnen wir uns doch alle nach dem Mehr in unserem Leben, nach Friede, nach Zuwendung und Glück. Das alles findet Ausdruck und Antwort gerade in der weihnachtlichen Frohbotschaft.

„Gott wird Mensch“ – dies ist einfach heruntergebrochen, der theologische Inhalt von Weihnachten. Was können wir darunter verstehen?

Dass Gott so erfrischend unkompliziert ist – er wählt den einfachsten und natürlichsten Weg, uns noch direkter zu begegnen: er wird selber Mensch

Weihnachten

Gott wird Mensch

Die erste „Weihnacht“ ist auf der „Flucht“ passiert. Maria und Josef waren unterwegs, hatten kein Haus, keine Wohnung, für die Geburt Jesu. Ist damit das 1. Weihnachten in unserer heutigen Gesellschaft und Zeit nicht hochaktuell?

Natürlich! Die halbe Welt scheint in Bewegung geraten zu sein, nicht nur wegen Krieg und Terror. Der moderne Mensch ist insgesamt stets in Unruhe, im Aufbruch,“im Fluss“. Begegnung, auch jene mit Gott, geschieht oft „am Weg“. Daher betet der hl. Franz, der selber mit seinen Brüdern viel umherzog, Christus sei für uns geboren „am Weg“.

Die Bindung der Menschen an die Kirche hat im Laufe der Jahre dramatisch abgenommen. Kann das Geheimnis der Weihnacht auch ohne Kirche und ohne Glauben an die Menschwerdung Gottes gefeiert werden?

In der herkömmlichen Weise sicherlich nicht. Aber vielleicht sollten wir das ganze aus der umgekehrten Perspektive betrachten: ich bin zuversichtlich, dass Gott selber wieder initiativ werden wird, um den Menschen von heute neu begegnen zu können; das ist ja seine bleibende Sehnsucht. Lassen wir uns von ihm überraschen!

 

 

Word-Rap

Weihnachten bedeutet für mich…. Begegnung mit Gott

Die Menschwerdung Gottes verbinde ich mit…. liebender Zuwendung

Mein Lieblingsevangelium in der Weihnachtszeit… der Johannesprolog

Weihnachten in meiner Kindheit war… einfach und schön

Mein erstes Weihnachten im Franziskanerkloster hat… habe keine Erinnerung daran

Zu Weihnachten schenke ich… Christus in den Sakramenten

Ich wünsche den Menschen zu Weihnachten… die tiefe Erfahrung, dass jeder einzelne von Gott ganz tief und innig gewollt und geliebt ist.

 (20-12-2016 P. Thomas Lackner / red.)