Drei Jahre nach dem großen Beben
Im September 1997 erschütterte ein Erdbeben Assisi. Heute sind die Schäden weitgehend behoben. Die Unsicherheit vor weiteren Erdstößen freilich ist geblieben.
Die franziskanische Welt hält den Atem an, als am 26. September 1997 die ersten Meldungen über ein Erdbeben in Assisi durch die Medien gehen. Die Erschütterungen richten in der Basilika des heiligen Franziskus großen Schaden an. Als Franziskaner-Minoriten und Experten die Zerstörungen im Innenraum der Kirche begutachten, kommt es zur Katastrophe. Teile des Gewölbes stürzen herab und begraben zwei Fachleute und zwei Ordensmänner unter sich. Insgesamt kommen bei den Erdstößen in Umbrien und in den Marken, die bis in den Oktober hinein zu spüren sind, zehn Menschen ums Leben. Tausende Häuser sind nicht mehr bewohnbar. In einfachen, dafür aber sicheren Containersiedlungen nehmen die Menschen Unterkunft. Fatal sind die Folgen des Bebens für den Tourismus, da in den beiden Jahren nach der Katastrophe die Gäste ausbleiben.
Heute, genau drei Jahre nach der Naturkatastrophe, sind in der Stadt Assisi noch etliche Gerüste aufgerichtet, um vom Einsturz gefährdete Häuserfassaden abzustützen. Die Arbeiten an den Kirchen und Klöstern sind weit vorangeschritten. Im August wurde wieder die Kirche der heiligen Klara eröffnet. Somit sind alle wichtigen Kirchen zugänglich.
500 Millionen für Basilika San Francesco
Für Besucher geöffnet auch ist die Basilika San Francesco, in deren Krypta der heilige Franziskus bestattet ist. Die offenen Flächen des Gewölbes in der Kirche wurden zugemauert. Die herabgestürzten kleinen und größeren Teile des Gewölbes sind feinsäuberlich in einer Halle außerhalb der Stadt gelagert. Hier versuchen Restauratoren aus 80.000 (!) Puzzlesteinen die zerstörten Fresken des Giotto zusammenzusetzen. Was zum Teil auch schon gelungen ist: Zwei Bilder von Franziskus und Klara konnten bereits wieder auf das Gewölbe aufgetragen werden.
Bis jetzt sind in die Instandsetzung der Basilika und des angrenzenden Klosters etwa ATS 500 Millionen geflossen. Fassade, Statik und der Vorplatz wurden damit instand gesetzt. Die Kirche präsentiert sich als stilgerecht und zugleich wunderschön restauriert. Den Großteil der Gelder für die Sanierung stellt der italienische Staat zur Verfügung. Ihm liegt großes Interesse an der Basilika, da diese zu den Nationalheiligtümern Italiens zählt. Außerdem lebt die ganze Region von den Touristen und Gläubigen, die jährlich zu hunderttausenden zu den heiligen Stätten pilgern. Geschlossene Kirchen würden viele Menschen arbeitslos machen. Ob freilich Restaurierungen im großen Stil im Sinn des heiligen Franziskus sind, der sich die "heilige Armut" zur Braut erwählt hat, darf angefragt werden. (bgw, 9-2000)