Louis Paquay, so sein weltlicher Name, wurde am 27. November 1828 in Tongern in Belgien geboren. Er war wallonischer Abstammung. Seine Eltern waren Bauern und Wirtsleute; es wurden ihnen 12 Kinder geschenkt. Im Kreise der großen Familie erlebte Louis eine schöne Kindheit. Nach dem Gymnasium trat er mit 21 Jahren in Thielt ins Noviziat der belgischen Franziskaner ein. Hier erhielt er den Ordensnamen Valentin. Nach den ordensüblichen Studien wurde der junge Grazer am 10. Juni 1854 in Lüttich zum Priester geweiht. Krankheit In Hasselt machte der Kaplan seine ersten seelsorglichen Erfahrungen. In kurzer Zeit konnte er die Menschen durch sein liebenswürdiges Wesen und seine tiefe Frömmigkeit gewinnen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Kloster Thielt kam er wieder nach Hasselt zurück. Sein erster Dienst in Hasselt war vor allem das Predigen. Er verstand es, in einer anschaulichen Weise den Menschen das Evangelium Jesu zu verkünden. Der Franziskaner wurde schnell zu einem geschätzten und gesuchten Volksmissionar. Als eines Tages während der Predigt Bluthusten einsetzte, musste Pater Valentin vom Predigtdienst zurücktreten. Der unermüdliche Seelsorger zog sich aber nicht einfach in die Klosterzelle zurück. Er begann Exerzitienkurse zu halten, durchreiste ganz Flandern und predigte Exerzitien in den verschiedensten Klöstern und Gemeinschaften. Seine Zuhörer fühlten, dass Pater Valentin das, was er predigte, selbst auch lebte. Seine Exerzitien waren tief und lebensnah. Pater Valentin lag die Verehrung der heiligen Eucharistie sehr am Herzen. Daher setzte er sich für den häufigen Kommunionempfang und für die Herz-Jesu-Verehrung ein. Auch seine Mitbrüder hatten großes Vertrauen in den kleinen, tieffrommen und echten Minderbruder. Er wurde zum Guardian des Klosters Hasselt bestellt. Wie sehr ihn die Mitbrüder schätzten, zeigt das Bekenntnis eines Paters, der sagte: „Nie habe ich die Ordensregel besser beobachtet, als während der drei Jahre, in denen Pater Valentin mein Oberer war.“ Bußsakrament Das eigentliche Charisma von Pater Valentin war das Beichthören. Er besaß ein außergewöhnliches Einfühlungsvermögen. In Hasselt galt er als ein zweiter Pfarrer von Ars. Seine Beichtkinder kamen von weit her, um bei ihm Rat, Zuspruch und die Vergebung Gottes zu empfangen. Einmal fragte ihn jemand: „Macht es Sie denn nicht müde, wenn Sie diese lange Reihe von Beichtkindern sehen?“ Seine Antwort war: „Ich bewundere ihre Geduld und habe Mitleid mit ihnen.“ Er hatte für die größten Fehler kein Wort des Vorwurfs, keine Härte, sondern ehrliches Mitleid. Es kam auch vor, dass der unermüdliche Beichtvater von Müdigkeit überwältigt wurde. Am anderen Morgen fand ihn der Sakristan schlafend auf den Altarstufen. Er hatte bis spät in die Nacht hinein Beichte gehört. Gott hatte dem tiefen Seelenführer die Gnade der übernatürlichen Erleuchtung und der Seelenschau geschenkt. Viele Beispiele sprechen dafür. Eines Tages war ein junger Mann unschuldig angeklagt worden. Zur Last wurde ihm gelegt, eine hohe Geldsumme gestohlen zu haben. Die Großmutter erinnerte sich an Pater Valentin, ging gleich zu ihm und erzählte, was ihrem Enkel angelastet würde. Der gütige Franziskaner gab ihr zur Antwort: „Ihr Enkel ist nicht schuldig.“ Nach einiger Zeit stand dann auch die Unschuld des jungen Mannes fest; seine Ehre und die seiner Familie waren wieder hergestellt. Erhörung Kurz nach seinem goldenen Professjubiläum begann für Pater Valentin eine dreijährige Leidenszeit, die zu einem wahren Martyrium wurde. Während seines ganzen Ordenslebens betrachtete Pater Valentin täglich den Kreuzweg. In der schweren Zeit des Leidens vereinigte er sich noch mehr mit dem kreuztragenden Herrn Auch die Schmerzensmutter schenkte ihm Trost. Im Alter von 77 Jahren starb Pater Valentin am 1. Januar 1905. Bald nach seinem Tod begannen die Gebetserhörungen an seinem Grab. Der Selige wurde zu Lebzeiten von den Gläubigen „der kleine heilige Pater von Hasselt“ genannt. Pater Valentin, der schon in seinem Leben vielen Menschen geholfen hat, wird jetzt vom Himmel her noch mehr Gutes bewirken. (Pater Gottfried Egger OFM)
Im November 2004 sprach Papst Johannes Paul II. Pater Valentin Paquay selig. Der belgische Franziskaner war ein unermüdlicher Beichtvater.