Padre Pio ForgioneEr gilt als einer der populärsten Heiligen in Italien. Der Apostel des Beichtstuhls ließ unter anderem ein modernes Krankenhaus in Süditalien bauen.
Weder der Vater noch die Mutter konnten lesen oder schreiben. Auch ihr Sohn Francesco besuchte keine Volksschule. Erst im Alter von zehn Jahren lernte er lesen und schreiben. In seiner Kindheit hatte er kaum geschlafen und weniger als andere Kinder gegessen. Außerdem überlebte er schwere Fieberanfälle wie durch ein Wunder. Die Familie Forgione war sehr fromm. Mit seinen Altersgenossen besuchte Francesco regelmäßig den Gottesdienst und den Katechismus-Unterricht. Es folgten die Erstkommunion und die Firmung. Zudem war er ein eifriger Ministrant. Zum Religiösen fühlte er sich besonders hingezogen. Als kleiner Schafhirt spielte er jeweils mit seinen Kameraden auf dem Feld „Prozessionen“. Junger Kapuziner Von früher Jugend an stand für Francesco Forgione fest, dass er Mönch werden möchte und zwar „einer, mit einem Bart“. Im Alter von 16 Jahren trat er als Novize den Kapuzinern in seiner Heimat bei und erhielt den Ordensnamen Pio. Unter Mühen ob seiner angeschlagenen Gesundheit er litt unter Tuberkulose hielt er das asketische Leben durch, absolvierte das Theologiestudium und wurde 1910 in der Kathedrale von Benevent zum Priester geweiht. Bis 1915 war er in seinem Heimatort als Gehilfe des Ortspfarrers tätig; später als Mönch im Kapuzinerkloster von San Giovanni Rotondo. Einen Monat nach der Priesterweihe geschah etwas Außergewöhnliches: Als der junge Priester im Freien betete, verspürte er plötzlich ein heftiges Brennen in seinen Handflächen. Das waren Anzeichen der Wundmale, die ihn zum ersten stigmatisierten Priester in der Geschichte der katholischen Kirche machten und die bis zu seinem Tod sichtbar blieben. Aber erst ein Jahr danach teilte er dieses wundersame Ereignis seinem Oberen mit. Bis zur sichtbaren Wundenverleihung dauerte es noch acht Jahre. In einem Brief aus jener Zeit, den er seinem Oberen schrieb, erfahren wir: „Die vergangene Nacht habe ich ganz mit dem leidenden Herrn zugebracht. Ich habe viel gelitten. Es handelte sich nicht um Schmerzen, die mir gesundheitlich zugesetzt hätten. Sie haben mein Gottvertrauen immer stärker gemacht. Ich spürte mich mehr und mehr zu Jesus hingezogen.“ Die Wundmale verursachten große Schmerzen! Der Apostel des Beichtstuhls Bald schon kamen die ersten Pilger zu Padre Pio und erlebten ihn bei der Messfeier. Er wurde als Beichtvater zum „Apostel des Beichtstuhls“. Seine prophetische Gabe wurde weithin gerühmt; er zählte nämlich zu den größten Mystikern unseres Jahrhunderts. Die katholische Kirche distanzierte sich aber von ihm und bezeichnete ihn sogar als „Hysteriker“. Sie verbot ihm von 1922 bis 1934 das Lesen der Messe und das Beantworten von Seelsorgebriefen. Aber die Menschen vertrauten sich ihm weiter an. Ab 1940 begann er, die Leiden der Pilger durch Handauflegung oder mit Worten zu lindern oder gar zu heilen. In den Armen, Leidenden und Kranken sah Padre Pio das Bild Christi, besonders ihnen galt sein Werk der Nächstenliebe. Dem jungen polnischen Priester Karol Woityla, dem späteren Papst, soll er bei einem Besuch im Jahre 1947 sowohl die Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche als auch das Attentat von 1981 vorhergesagt haben. Von Spendengeldern ließ er in San Giovanni Rotondo1956 eines der modernsten Krankenhäuser Süditaliens bauen. Heiligsprechung Am 23. September 1968 starb Pater Pio mit den Worten „Jesus, Maria“ auf den Lippen. Nach langjähriger Skepsis und auch Sanktionen seitens der katholischen Kirche wurde sein Wirken unter Papst Johannes Paul II. schließlich anerkannt. Am 5. Mai 1999 wurde Pater Pio selig gesprochen. Dieses Ereignis gilt als „Seligsprechung des Jahrhunderts“, denn der Petersplatz war zu klein, um alle Gläubigen aufzunehmen, die ihrer Verkündigung beiwohnen wollten. Die Heiligsprechung erfolgte am 16. Juni 2002. (red) |