Schwester Maria Theresia Scherer

Im 19. Jahrhundert gab es in der Kirche eine Frauenbewegung. Zahlreiche Schwesterngemeinschaften entstanden. Zu den franziskanischen Frauen in dieser Bewegung zählt die Schweizerin Maria Theresia Scherer.

Auf sie geht die Gemeinschaft von Ingenbohl zurück, auch „Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz“ oder mancherorts auch einfach „Kreuzschwestern“ genannt. Als Kind einer Bauernfamilie wurde Katharina am 31. Oktober 1825 in Meggen im Kanton Luzern geboren. Mit 19 Jahren trat die junge Frau – von der Liebe zur Jugend, zu den Armen, Waisen und Kranken gedrängt – der im Entstehen begriffenen Kongregation der Kreuzschwestern bei. Sie zählte zu den ersten fünf Mitgliedern dieser Gemeinschaft und wurde vom Gründer, dem Kapuzinerpater Theodosius Florentini, eingekleidet.

Armenhaus und Hilfsspital

Noch im selben Jahr legte die Schwester ihre ersten Ordensgelübde ab und begann bald darauf ihre Wirksamkeit als Lehrerin, eine Tätigkeit, die nur von kurzer Dauer bleiben sollte. Denn 1850 rief Pater Theodosius die nun 25jährige als Leiterin eines Armenhauses nach Näfels. Das war alles andere als eine leichte Aufgabe. Durch Missernten und Arbeitslosigkeit herrschte große Armut. Das neue Armenhaus bot 50 Menschen Platz und erleichterte ihr Leben. Waisenkinder, Betagte und Kranke fanden Aufnahme. Mit diesem Haus verbunden war die „Industrieschule“, in der Mädchen Handarbeitsunterricht erhielten. Beide Einrichtungen leitete Schwester Maria Theresia.

Im Jahr 1852 forderte Pater Theodosius die „Armenmutter von Näfels“, wie sie genannt wurde, auf, als Leiterin in das armselige Hilfsspital nach Chur zu kommen. Die Schwester erkannte die trostlose Situation dort und nahm an. So wurde der Grundstein einer sozial-karitativen Kongregation gelegt. Das Gesicht des Spitals veränderte sich bald, das Vertrauen der Bevölkerung wuchs. Schwester Maria Theresia Scherer widmete sich ganz den Kranken. Mit 31 Jahren wurde die engagierte Ordensfrau zur Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz in Ingenbohl gewählt. Nach mehrmaliger Wiederwahl bekleidete sie dieses Amt bis zu ihrem Tod.

Führungsqualitäten

Im Alter von 62 Jahren starb die franziskanische Ordensschwester am 16. Juni 1888. Sie war ihren Schwestern weise Begleiterin und gutes Vorbild, den Hilfsbedürftigen eine liebevolle Helferin; und dem gefährdeten Institut nach dem plötzlichen Tod des Stifters die tatkräftige Retterin. Schwester Maria Theresias Wesen zeichnete sich durch die Klarheit ihres Urteils, durch ihre Anspruchslosigkeit, ihren ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und durch Humor aus. Sie verfügte über die großartige Führungsqualität, anderen Menschen Selbstvertrauen zu vermitteln und sie damit für ihre Arbeit zu motivieren. Die Ordensfrau aus der Schweiz war nie weltfremd, und ihre wahrhaftige Liebe zu den Menschen machte auch vor Klostermauern nicht Halt.

Heute sehen die Kreuzschwestern ihre vordringliche Aufgabe in der Seelsorge. Auf den Spuren des heiligen Franziskus und der seligen Mutter Maria Theresia Scherer möchten sie aus dem Evangelium leben und Menschen die Frohe Botschaft weitersagen. Nach dem Willen ihres Gründers sollen die Schwestern sein, die „überall hinpassen“. Weltweit gehören etwa 5000 Schwestern der Kongregation an. Mutter Maria Theresia Scherer wurde von Papst Johannes Paul II. im Oktober 1995 seliggesprochen. Das Grab der Seligen in der Klosterkirche in Ingenbohl ist zu einem Wallfahrtsort geworden.

(Pater Thomas Hrastnik OFM)

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