Leopold Mandić

Der heilige Leopold Mandić (1866 – 1942) handelte im Kleinen gut und wurde so zu einem großen Heiligen. Der Kapuziner stammt aus Dalmatien, wirkte lange Jahre in Padua und wird heute weltweit verehrt.

Geboren wurde der Heilige im 19. Jahrhundert, einem Jahrhundert, das aus unserer Sicht ganz weit weg erscheint. Unsere Jahrhunderte trennen viel mehr als die Jahrhunderte davor. Von multimedialer Gesellschaft keine Spur. Buchstäblich eine andere Welt. Bogdan, wie er mit Taufnamen hieß, war eines von zwölf Kindern. Für die junge Generation heute fast nicht mehr vorstellbar. Und doch fasziniert dieser Ordensmann bis heute besonders junge Menschen, die doch so anders sind als er und seine Zeit. Ein Mann des Gebets und ein begnadeter Beichtvater war er und ist heute Patron vieler Jugendgebetskreise. Was ist es, was über diesen so große Entfernung der Generationen eine Brücke geschlagen hat?

Vergebung und Versöhnung

Es war sein Leben. Sein Leben war ziemlich unscheinbar, doch mit vielen Komponenten, die eben heute genau so wieder vorkommen. Der heilige Leopold Mandić war ein kleingewachsener Mensch, nicht einmal 1,50 m, mit Problemen beim Sprechen, er hatte einen Sprachfehler – ein Mensch eben mit seinen Eigenheiten und Problemen. Zutrauen würde man ihm heute genauso wenig wie damals. Und doch stellte er sich ganz in den Dienst Gottes. Er folgte seiner Berufung und wurde Kapuziner. Die Vision, ein Missionar zu werden, erfüllte sich nie. Ebenso wenig ein Apostel der Ökumene zu sein. Gottes Wege sind nicht immer die, die wir zu glauben meinen. Die eigene Einschätzung divergierte nicht nur damals, sie unterscheidet sich auch heute, wenn es darum geht, den richtigen Weg einzuschlagen. Bruder Leopold geht diesen Weg. Er wird zum Werkzeug Gottes im Sakrament der Versöhnung, wo er vielen helfen kann. Obwohl seine Vorstellung von Nachfolge eine ganz andere war. Die Erfüllung seines Lebens erhält er dort, wohin es die meisten Menschen unserer Zeit nicht mehr hinzieht: Im Beichtstuhl.

Was Unversöhntheit und Streit anrichten, das musste der Heilige in seiner Kindheit mit ansehen. Dies prägte ihn ebenso wie eine schlechte Beichterfahrung in seiner Jugendzeit. Doch er ließ sich davon nicht abbringen. Er suchte und fand seinen Weg in der Kirche, seinen Weg Gutes zu tun. Die große Barmherzigkeit Gottes, die er selber im Sakrament der Versöhnung erfahren durfte, gab er als Seelsorger weiter. 40 Jahre lang war er täglich über zehn Stunden im Beichtstuhl. Bis zu seinem Lebensende versah er diesen Dienst in Treue und in Sensibilität. Ganz im Geist des heiligen Franziskus fand er in der eucharistischen Anbetung und in der Verehrung der heiligen Gottesmutter Maria seine Kraftquelle, die ihm auch in schweren Zeiten weiterhalf und ihm die nötige Energie zukommen ließ, seine Arbeit im Dienst für die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen, den Menschen untereinander und für den Menschen selbst zu verrichten.

Ein Bild für das Sakrament der Versöhnung in der heutigen Zeit bietet das bei einem Bombenangriff zerstörte Franziskanerkloster in Padua. Als 1944 das Kloster samt der Kirche in Schutt und Asche gelegt wurde, blieb inmitten der Trümmer der Beichtstuhl von Bruder Leopold völlig unversehrt. In den Turbulenzen unserer Zeit bleibt die Versöhnungsbereitschaft des barmherzigen Vaters unveränderlich für uns existent.
(Bruder Markus Schlichthärle OFM)

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