Bruder Jordan Mai

Bruder Jordan Mai nahm stellvertretend für seine Mitmenschen deren Schuld auf sich und gilt seit 1991 als „verehrungswürdiger Diener Gottes.“

Bruder Jordan Mai wurde am 1. September 1866 in Buer, in Westfalen in Deutschland, geboren. Mit seinen sechs Geschwistern wuchs er in einer gläubigen Familie auf. Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf seines Vaters – Sattler und Gerber. Absolvierte seine zweijährigen Militärzeit und kehrte in seinen Beruf zurück.

Im Alter von 28 Jahren folgte er seiner Berufung und trat dem Franziskanerorden bei. Da sein erlernter Beruf im Orden nicht gefragt war, ließ er sich zum Koch ausbilden. Nach einem halbjährigen Postulat wurde er zum Noviziat zugelassen und nahm den Namen Jordan an.

Seine Mitbrüder lernten ihn sehr bald schätzen, denn er war achtsam, tatkräftig und hilfsbereit. Außerdem galt er als ein ernsthafter, frommer Mann, der sich um ein echtes geistliches Leben bemühte. Seine umgängliche, liebenswürdige Art, sein Humor und seine Reife ließen ihn die Herzen der Mitbrüder und Mitmenschen gewinnen. Er wirkte in mehreren Klöstern, in denen er nicht nur als Koch, sondern auch aushilfsweise für andere Dienste wie Pforte und Sakristei und für gärtnerische Arbeiten zuständig war. Bruder Jordan wirkte in Paderborn, Münster, Neviges, Harreveld, Dingelstätt und Dortmund.

Bescheidenheit und Demut

Dem Franziskaner plagten jedoch chronische Kopfschmerzen, deswegen ließ er sich 1907 nach Dortmund versetzen, in der Hoffnung, geheilt zu werden. Leider waren alle ärztlichen Behandlungen erfolglos, und er blieb bis zu seinem Tode nicht mehr voll einsatzfähig. „Ich nehme es überhaupt lieber auf mich, überall nur einspringen zu müssen, als einen leitenden Posten innezuhaben. Es trägt viel dazu bei, dass man sich in der Demut üben kann,“ sagte er. Zusätzlich verbrachte Bruder Jordan viele Stunden im Gebet, manchmal sogar ganze Nächte.

Wenn Mitbrüder zu Gemeindemissionen oder Exerzitien aufbrachen, baten sie ihn um sein Gebet. Sein fürbittendes Gebet galt den hart arbeitenden Menschen des ---Kohlereviers und den Soldaten im Felde. Es war für ihn ein großer Schock, als im Jänner 1922 in die Kirche eingebrochen und das Allerheiligste mit dem Tabernakel gestohlen wurde. Zur Sühne bot er Gott sein Leben an. Vier Wochen später – am 20. Februar 1922 - starb er. Bruder Jordan Mai sah es als seine besondere Aufgabe, stellvertretend für sündige Menschen Sühne zu leisten.

Nach seinem Tod setzte umgehend eine tiefe Verehrung der Bevölkerung ein und seitdem wurden 80.000 Gebetserhörungen gemeldet.

1937 schloss der Erzbischof von Paderborn den bischöflichen Informativprozess ab, dem 1965 der Apostolische Prozess folgte. 1987 wurde der Römischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen die Zusammenfassung aller Daten und Erkenntnisse übergeben. Im Jahre 1991 bestätigte Papst Johannes Paul II. durch ein Dekret das tugendhafte Leben des Bruders Jordan Mai und nannte ihn mit dem offiziellen Titel einen „Venerabilis Servus Dei“, einen „Verehrungswürdigen Diener Gottes“. Die Seligsprechung des bescheidenen und einfachen Franziskaners steht noch aus.
(Red.)

zurück