Johannes Kapistran

Johannes Kapistran zog unermüdlich durch Mitteleuropa und Italien, um mit seinen Predigten das Volk zu unterweisen. Sein Gedenktag ist am 23. Oktober.

Ilok ist eine alte Stadt im östlichen Teil Kroatiens. Vom historischen Franziskanerkloster auf der Anhöhe sieht man weit über die breite Donau in die ungarische Ebene. Die Kirche ist dem heiligen Johannes Kapistran geweiht, der hier am 23. Oktober 1456 gestorben ist. Leib und Grab sind verschollen, aber eine Nachbildung des „Siegers von Belgrad“ liegt im Glassarg unter dem Altar. Dort feierten Brüder aus der Wiener Franziskanerprovinz zum heiligen Bernardin von Siena im April zum 550. Todestag eine heilige Messe zum dankbaren Gedenken. Johannes Kapistran ist Gründer der Wiener Provinz.

Klostergründer

1451 war der damals berühmte Franziskaner nach Wien gekommen, eingeladen von Kaiser Friedrich III. Sechs Sommerwochen predigte Kapistran bei riesigem Zulauf am Stephansdom, wo heute noch die Kanzel samt Denkmal an ihn erinnern. An die 50 junge Männer gewann er in Wien für den Orden, danach noch an vielen anderen Orten. Die Klöster in Maria Lankowitz und Maria Enzersdorf, die er gegründet hat, bestehen noch heute.

Geboren wurde Johannes 1386 in Capestrano in den Abruzzen. Hochbegabt und voller Eifer studierte er Rechtswissenschaft und gelangte schon jung in Perugia zu hohen Ämtern. Von Gegner in ein Verließ geworfen, vollzog sich in ihm eine große Wandlung. Er wurde Franziskaner. In der Folge entwickelte er sich zu einer Schlüsselfigur im Orden, in der Kirche und für ganz Europa. Als Theologe, päpstlicher Legat und als unermüdlicher Wanderprediger griff er tief in die Geschichte seiner Zeit ein. Durch 40 Jahre predigte er fast täglich bis zu drei Stunden, lateinisch mit Übersetzung, zu allen Themen des Glaubens und zu den Frage der Zeit. Tausende Kilometer zog er zu Fuß durch unzählige Städte.

Standhaft

Zuletzt, nach dem Fall von Konstantinopel 1453 an die Türken, predigte Johannes Kapistran im Auftrag des Papstes den Kreuzzug für die Rettung des christlichen Abendlandes. Im Juli 1456 befreite der Franziskaner mit einem kleinen, schlecht ausgebildeten Heer die Stadt Belgrad. Ein Zeitzeuge beschreibt ihn selbst so: „Für den 70-jährigen kleinen, abgemagerten Ordensmann brachten die Tage vor der Schlacht übermenschliche Anstrengungen. Von zwei Trompetern begleitet, betend, sah man ihn überall auftauchen, bald zu Fuß, bald hoch zu Ross. In 17 Tagen fand er nur sieben Stunden Schlaf und oft erst nach drei Tagen wieder Zeit zum Essen, wie aus dem Jenseits!“

Johannes Hofer hat den streitbaren Ordensmann als einen „Apostel Europas“ beschrieben. Er ist sicher auch eine der größten Persönlichkeiten seines Ordens. Ob er ein Heiliger ist, war und ist umstritten. In der objektiven Gesamtschau – wie ich meine – ist er es! Die Kirche hat Johannes Kapistran nach langer Prüfung 1690 heiliggesprochen. Am 23. Oktober ist sein Gedenktag. Für seine Gründung, die Wiener Provinz, für die er seinen damals eben erst heiliggesprochenen Freund Bernardin als Patron bestimmte, ist der Tag mit Recht ein Fest – zumindest, solange die von ihm gegründete Provinz besteht.
(Pater Wolfgang Frühwirth OFM)

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