Elisabeth von Thüringen

Die heilige Elisabeth von Thüringen wurde vor 1207, geboren. Elisabeth ist eine Persönlichkeit in der Kirchen- und der Weltgeschichte. Ihr gebührt der Beiname „groß“.

Groß sind viele, aber wenige heilig. Heilige gibt es auch viele, aber Elisabeth gehört zu den größten. Man wird ganz klein, wenn man aber über sie schreiben will. Was auswählen, wie es darstellen? Die Fülle der Literatur über sie und noch mehr die Fülle ihres doch so kurzen Lebens beschweren mehr, als dass sie erleichtern, ihrer würdig die Worte zu finden.

Kenner der hebräischen Sprache leiten den Namen ab von Eli – Gott und Sibuah – Sieben. Sieben ist die Zahl der Fülle, in der sich die Gotteszahl Drei mit der kosmischen Zahl Vier verbindet zum Ausdruck der Vollkommenheit. Am siebten Tag, da Himmel und Erde vollendet sind, ruht Gott (Gen 2,2). Elisabeth ist somit ein Name höchster Würde und Größe: Mein Gott ist die Sieben. (Justin Lang: Elisabeth von Thüringen) Die heiligen Namen der Bibel beginnen mit Gott oder enden mit Gott: J – von Jahwe und EL – Elohim wie Elisabeth, die Mutter des Johannes. Dieser Name weist auf die Beziehung mit und Sendung von Gott. Die vom heiligen Gott Erfüllten sind heilig. Sie stellen ihn dar, künden ihn; ihr Leben und Tun ist nur von Gott her erklärbar. Das alles trifft zu auf die heilige Elisabeth zu.

Liebesheirat

1207 wurde Elisabeth in Pressburg oder auf der Burg Sárospatak bei Tokaj geboren. Darum heißt sie Elisabeth von Ungarn. Ihr Vater war König Andreas, ein Nachkomme des heiligen Stefan. Ihre Mutter Gertrud stammt vom großen Grafengeschlecht Andechs-Meranier in Bayern. Eine ihrer Schwestern war die heilige Hedwig. Dynastische Verflechtungen und politische Pläne bestimmen von klein auf ihr Leben. Mit vier Jahren wird sie unter reichem Geleit nach Thüringen gebracht. Auf der hohen Wartburg wird sie mit dem künftigen Landgrafen Hermann verlobt und von dessen Mutter Sophie erzogen. 1217 stirbt ihr Verlobter Hermann. Man denkt daran, Elisabeth wieder nach Ungarn zu schicken. Aber der jüngere Bruder und nunmehrige Thronfolger liebt und verlobt sich mit Elisabeth. Mit sieben Jahren ist die Kindheit der Prinzessin vorbei. Es beginnt die Ausbildung zur späteren Landgräfin von Thüringen und Pfalzgräfin von Sachsen.

Mit 14 Jahren, 1221, wird sie mit Ludwig vermählt. Es war eine wahre Liebesheirat. Die Beiden nannten sich immer „liebster Bruder“ und „liebste Schwester“. Ludwig stets treu zu seiner Frau, ließ sie voll gewähren in ihren Frömmigkeitsübungen und ihrer verschenkenden Wohltätigkeit trotz Ablehnung und Anfeindung von Seiten des Hofes. Sie gebar ihm drei Kinder: 1222 Hermann, 1224 Sophie und 1227 Gertrud. Das letzte Kind sah Ludwig nicht mehr, da er sich zum Kreuzzug mit Kaiser Friedrich II. aufmachte und in Süditalien starb.

Nun beginnt ein ganz neuer Abschnitt im Leben Elisabeths. Sie muss weg von der Wartburg, wo nun der Schwager herrscht. In größter Not lebt sie zunächst in Eisenach, unbekannt und grob behandelt von Vielen, denen sie einst so viel Gutes getan hatte. Mit der Witwenabfindung gründet Elisabeth in Marburg ein Hospital, das sie dem heiligen Franziskus weiht. Dort dient die als kundige Krankenschwester noch drei Jahre, bis sie erschöpft und zugleich erfüllt am 17. November 1231 im Alter von 24 Jahren stirbt. Im Jahr danach wird die Heiligsprechung eingeleitet. Diese erfolgt 1236 durch Papst Gregor IX. zu Pfingsten in Perugia. Sie ist nun die Heilige der Deutschen, Patronin des Deutschen Ordens und des Dritten Ordens.

Hauptgebot Christi

Gott ist die Liebe. Viel wurde dazu geschrieben, gepredigt und gedichtet. Elisabeth hat die Liebe zu Gott und zum Nächsten wahrhaft „verdichtet“, im Leben verkörpert. Sie ist die authentische Auslegung und sichtbare Verwirklichung des Kerns des Christentums. Gestalten wie Franziskus, Klara und Elisabeth verteidigen und erhalten die katholische Kirche, schrieb Reinhold Schneider. Er spricht auch von den „extremen Existenzen“, von Menschen, die den Glauben, die Liebe bis zum Äußersten intensivieren. Um der Liebe Christi willen bejaht sie alle schmerzlichen Opfer, den Verlust des Gatten, dann den der Heimat auf der Burg, der Stellung der Landgräfin, zuletzt der Frauenehre, da man sie einer Beziehung zum schrecklichen Seelenführer Konrad von Marburg verdächtigt. Und über „Abraham hinaus“ opfert sie zuletzt ihre drei Kinder. Wohl nie hat jemand das unerhörte Wort Jesu so befolgt wie sie: „Wer Eltern und Kinder mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert“ (Mt 10,37). Ganz an Gott und die Armen hingegeben, wird sie zur Mutter und Schwester aller Menschen.

Sie steigt nieder von der Burg und von ihrem Stand zum Elend in Eisenach und in der ganzen Grafschaft. Sie teilt aus, sie wäscht und salbt die Räudigen, die Aussätzigen, die sonst niemand anfassen möchte; sie will sie fröhlich machen; sie sieht in ihnen Jesus. Franz von Assisi hört von ihr. Er schickt ihr den Mantel der Armut. Sie ist längst darin gehüllt.

Innere Mystik

Eine Magd berichtet: „Als meine Herrin auf dem Sterbebett lag, habe ich eine überaus liebliche Stimme vernommen, die wie aus ihrer Kehle kam.“ Sie lag zur Wand gekehrt, dann wandte sie sich nach mir um und fragte: „Wo bist du, Liebe?“ Sie fragte, ob ich es gehört hätte. Als ich das bejahte, fuhr sie fort: „Ich sage dir: zwischen mir und der Wand hat ein Vöglein mir überaus fröhlich zugesungen. Sein lieblicher Gesang zwang mich, auch zu singen!“ Diese Vision zeigt die innere Mystik der Heiligen an, die mehrmals in ihrem Leben nach außen durchbricht und wundersam ein seliges Lächeln mit Tränen verbindet. Ihrer Umgebung fiel es auf, dass beim Weinen ihr Gesicht seinen leuchtenden und frohen Ausdruck bewahrte. Ihr Lachen wird als heiter und süß empfunden, ihre Ausstrahlung als mütterlich. Besonders Kinder haben sich von ihr sofort angezogen gefühlt.

Ihr Wahlspruch war: Wir müssen die Menschen fröhlich machen! Dies hat sie im Leben und Sterben getan. Dies tut sie noch heute. Sie war eine „Antwort der Liebe“. Das Vöglein, das ihr im Heimgang zugesungen hat und zum Echo in ihrem Herzen wurde, ist hörbar noch immer für den, der die große heilige Elisabeth von Thüringen liebt und verehrt.
Pater Wolfgang Frühwirth OFM

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