Bernardin von Siena

Geboren wurde Bernardin am 8. September 1380 in Massa-Carrara in der Nähe von Siena. Sein Familienname war Albizeschi. Da seine Eltern früh starben, kam der Vollwaise schon in früher Kindheit nach Siena zu Verwandten, wo er eine gute und fürsorgliche Erziehung genoss. Bereits als Elfjähriger begann er sein Studium an der Universität in Siena - viele Wege öffneten sich ihm wegen seiner großen Begabungen.

Mit 17 Jahren aber zeigte er ganz andere Seiten in seinem Leben: Nicht eine auf Karriere bedachte Zukunft bewegte den jungen Mann, sondern der Drang zu helfen. Und diese Hilfe war nicht ohne! 1397 brach eine große Pestepidemie in Siena aus. Gemeinsam mit einigen Kameraden beschloss Bernardin den Kranken zu helfen. Er ließ sich einige Monate in das Spital zu den Pestkranken unter Quarantäne sperren und diente jenen, deren Krankheit die Lebensexistenz anderer bedrohte. Als die Epidemie abklang, wurde er selbst schwer krank, und sein Leben hing etliche Monate an einem seidenen Faden. In dieser Zeit der Krankheit reifte in ihm der Entschluss, den geistlichen Weg als Minderbruder zu gehen. Tatsächlich schloss er sich 1402 den Franziskanern in Siena an und empfing bereits 1404 die Priesterweihe.

Damals gab es einen besonderen Reformzweig innerhalb des Ordens - die sogenannte Observanz. Die Brüder der Observanz wollten intensiv nach dem Vorbild des hl. Franz von Assisi die Armut leben.

Verehrung des Namens Jesu
Die Sitten und die Moral der Zeitgenossen Bernardins waren schlecht. Darum beschloss er ab 1417 als Bußprediger durch ganz Italien zu wandern. Einer seiner gelehrigsten Schüler war Johannes Kapistran. Bernardin leistete der Gesellschaft seiner Zeit unschätzbare Dienste: Er versöhnte streitende Parteien, kriegführende Städte und auch die Menschen mit Gott. Sein großes Anliegen war die Verehrung des Namens Jesu. Als „Instrument“ verwendete er eine Holztafel mit dem „IHS“, die er bei jeder Predigt zeigte und verehren ließ. Durch eifersüchtige Kleriker beim Papst angezeigt, befahl ihm Martin V. die Tafel zu verbergen und gab ihm ein Predigtverbot. Später wurde er voll rehabilitiert.

Bernardin starb am 20. Mai 1444 in L’Aquila. Auf Betreiben des berühmten Johannes Kapistran wurde er bereits 1450 durch Papst Nikolaus V. heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist am 20. Mai. Seit 1451 ist er der Patron und das Vorbild der Minderbrüder der Österreichischen Franziskanerprovinz zum hl. Bernardin von Siena.
(P. Michael Schlatzer)
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