Berard und Gefährten

Am 16. Jänner feiert die franziskanische Familie den Gedenktag des heiligen Berard und seiner Gefährten. Ihre Mission ist gescheitert.

Beseelt vom Wunsch, das Evangelium allen Völkern zu verkünden, zog 1219 eine kleine Gruppe junger Mitbrüder von Umbrien über Spanien nach Portugal. Es waren dies die Brüder Vitalis, Berard, Petrus, Otho, Accurs und Adjut. In Sevilla begannen sie den Moslems, die damals den Süden des Landes beherrschten, zu predigen. Durch schwere Krankheit gehindert, konnte Bruder Vitalis die Brüder nicht weiter begleiten. Diese aber verkündeten auf den Plätzen der Stadt und sogar in der Haupt-Moschee das Evangelium. Deshalb wurden sie gefangen genommen und nach Marokko abgeschoben. In Marakesch wurden sie erneut in Ketten gelegt. Doch durch keine Drohungen oder verlockendste Angebote ließen sie sich von der Liebe zu Christus und der Treue zum Evangelium abbringen. Nach fruchtbaren Quälereien wurden die Brüder von Miramolin, dem Stadt- und Landesherrn, höchstpersönlich mit dem Schwert enthauptet.

Als der heilige Franziskus die Nachricht vom Blutzeugnis dieser seiner Brüder und Missionare bekam, rief er – ergriffen und tief berührt – aus: „Jetzt kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich fünf wahre Brüder habe.“ Als etwas später die Reliquien dieser Märtyrer nach Europa gebracht wurden, gab das Beispiel der Erstlings-Märtyrer einem jungen Augustiner-Chorherren in Coimbra den Anstoß, sich dem Franziskanerorden anzuschließen: Es ist der heilige Antonius „von Padua“.

Zeugnis geben

Pater Engelbert Grau (+1998), der bekannte Franziskus-Forscher, stellte die Frage nach den Prinzipien, die Franziskus und die Franziskaner in der Mission begleiten. Weil Gott der Vater aller Menschen ist und Christus sein Blut für alle vergossen hat, war es der sehnlichste Wunsch des heiligen Franziskus, auch denen das Evangelium zu verkünden, die den christlichen Glauben nicht kannten. Darum ging er selbst zu den Ungläubigen; er ermunterte auch seine Brüder dazu und setzte in die Regeln entsprechende Anweisungen. Er ist der erste Ordensgründer, der in seinen Regeln ausdrücklich von der Heidenmission spricht.

Seine Art, Nichtchristen von der Wahrheit des Evangeliums zu überzeugen, ist typisch evangelisch: „Eine Art besteht darin, dass sie weder Zank noch Streit beginnen, sondern um Gottes willen allen Menschen untertan sind.“ Das hatte schon der heilige Petrus von allen Christen gefordert (1. Petrusbrief). Darauf weist auch Franziskus seine Brüder hin, wenn sie unter den Nichtchristen „geistlich wirken“ wollen, d. h. dem Geist des Herrn entsprechend. Sie sollen in allen Menschen den Herrn sehen und ihm zu dienen bereit sein. Ihre Aufgabe in den Missionen besteht also zunächst darin, als wirkliche „Minderbrüder“ unter den Nichtchristen da zu sein und schlicht und einfach bekennen, „dass sie Christen sind“.

„Die andere Art ist die, dass sie, falls sie es als gottgefällig erkannt haben, das Wort Gottes verkünden: Sie sollen glauben an den allmächtigen Gott, Vater, Sohn und Heiligen Geist, den Schöpfer aller Dinge; an den Sohn, den Heiland und Erlöser; und sie sollen sich taufen lassen und Christen werden; Dieses und was sonst dem Herrn wohlgefällig ist,“ sollen dann die Brüder den Menschen mitteilen. Neben das Apostolat des Lebens als Minderbrüder kann also auch das Apostolat der Verkündigung treten. Erst der Minderbruder, der Christus bezeugt, kann auch geistlich wirken.

Missionare heute

Für die Sendung in die Heidenmission verlangt Franziskus eine besondere Berufung durch Gott; und dies wohl auch deswegen, weil das Leben der Missionare – damals wie heute – schweren Belastungen ausgesetzt ist. Die Minderbrüder sind dem missionarischen Anliegen ihres Gründers all die Jahrhunderte treu geblieben. In unseren Tagen arbeiten ungefähr 5000 Franziskaner in den Missionsgebieten der Welt. Sie werden immer mehr von einheimischen Brüdern junger Provinzen unterstützt.

(Pater Peter Paul Mayer OFM)

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